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Zeitrechnungen

Das Leben auf dem Wasser ist langsam.

Wir haben den Hafen, der uns in den letzten Tagen Schutz und Heimat bot, verlassen.

Auf der Suche nach klarem Wasser zum Schwimmen und der beschaulichen Einsamkeit einer kleinen Bucht passieren wir das Fahrwasser zwischen Rügen und dem Festland Richtung Hiddensee.

Man darf bei derlei Aktivitäten nicht die Maßstäbe alltäglicher Geschwindigkeit anlegen. Bereits die Vorbereitungen erfordern minutiöse Planung und Sorgfalt. Kühlschrank und Wassertank aufzufüllen gehören zu den grundsätzlichen und überlebenswichtigen Punkten der ToDo-Liste. Für den Kühlschrank wurde bereits gestern der Stralsunder Real-Markt geplündert. Zweimal, um genau zu sein. Denn doppelt hält bekanntlich besser.

Um den Wassertank zu füllen, war größerer Aufwand nötig, da der Wasserhahn sich am gegenüberliegenden Steg befand. Hieß: Sachen klarieren, ablegen, anlegen, Tanken. Damit waren schon einmal 1,5 Stunden vergangen.

Nun nehmen wir mit 11 km/h Kurs auf eine rotweiße Tonne, in deren Nähe wir den Anker auszuwerfen gedenken.

Wir haben somit einige Stunden für eine Strecke gebraucht, die wir im Alltagsleben mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten in einem Bruchteil dieser Zeit zurücklegen. Boote, die uns mit 15 km/h entgegendonnern, werden schon der Kategorie „Rasende Pistensäue“ zugeordnet.

Ich verstehe nun, warum so viele Menschen jenseits des arbeitsgefüllten Lebensabschnitts ihre letzten Jahre an Bord eines Schiffchens verbringen: Sie haben mehr davon!

Um wie viel länger erscheinen die Jahre des Ruhestands, wenn sie in 11 statt in 100 km/h an uns vorüberziehen? Das Alter in Zeitlupe auf dem Wasser statt im Schnelldurchgang an Land zu verbringen, bedeutet einen reinen Gewinn von vielen Jahren. Und wenn reale zehn Jahre sich im irgendwann unausweichlich anstehenden Rückblick auf mein Leben wie 40 Jahre anfühlen, dann hat es sich doch vielleicht gelohnt Hab und Gut zu verhökern, um auf einem netten kleinen Boot über die Wasser zu schippern?

11.7.10 18:21

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Julia / Website (11.7.10 19:09)
Liebe Kirsten,

ach...das klingt schön! Was die Langsamkeit angeht: die Hitze hier hat auch zur Folge, dass ALLES aber auch wirklich ALLES weitaus langsamer abläuft als sonst....leider nicht auf dem Wasser.

Genießt weiterhin die schöne Zeit im wundervollen Ostseenorden :-)

Liebe Grüße aus einem völlig überhitzen Zimmer im Herzen der Spreemetropole!

Julia

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